Weltmeisterschaften U23 und Junioren, 21.-28.08.2016 in Rotterdam (NL)

Silber und Bronze im Gepäck: Limburger Ruderer brillieren bei Weltmeisterschaft

Gleich zwei Ruderer des Limburger Clubs für Wassersport (LCW) erreichten im Laufe der vergangenen Woche den Höhepunkt ihrer bisherigen Ruderkarrieren: Sophia Krause erkämpfte sich die Bronzemedaille und Tom Hinrichs reist mit einer Silbermedaille nach Hause.

Auf der Willem-Alexanderbaan in Rotterdam duellierten sich in der Woche vom 21. bis zum 28. August über 300 verschiedene Ruderboote aus 70 verschiedenen Nationen. Die Besonderheit: die Weltmeisterschaft der Junioren (U19), des U23-Bereiches und der nicht olympischen A-Mannschaftsboote wurden zu einer Veranstaltung zusammengefasst. Darunter befanden sich auch Ruderer des LCW, nämlich Sophia Krause (im U23 Bereich) und Tom Hinrichs (im U19 / Juniorenbereich).

Nur Übung macht den Meister. Ganz in diesem Sinne bereiteten sich die beiden Athleten über mehrere Wochen in Ratzeburg, der Standort des Trainingslagers der U23-Ruderer, und in Berlin, das Trainingsgebiet des U19-Kaders, vor. Während sich Krause schon nach der deutschen Meisterschaft bewusst war, in welchem Boot sie für den Deutschen Ruderverband (DRV) starten wird, nämlich dem leichten Doppelvierer, wusste Hinrichs noch nicht wie er eingeplant wird. Denn er verpasste die Mannschaftsbildung und die Junioreneuropameisterschaft aufgrund einer extrem starken Reizung der Muskulatur des rechten Unter- und Oberarmes, der Schultermuskulatur und entzündeter Sehnen. Seiner überraschend zügigen Genesung verdankend konnte Hinrichs am Training in Berlin teilnehmen. Nach Begutachtung teilte der Trainerstab ihn zum Vierer mit Steuermann zu. Nach der optimalen Vorbereitung war bei beiden die Motivation auf dem Höhepunkt. „Jetzt kann es so richtig losgehen!“, so Krause vor Energie strotzend.

Der leichte U23-Frauendoppelvierer in ihrem Boot. Sophia Krause befindet sich von rechts aus gesehen an erster Position (Quelle: Rudern.de)
Der leichte U23-Frauendoppelvierer in ihrem Boot. Sophia Krause befindet sich von rechts aus gesehen an erster Position (Quelle: Rudern.de)

Den Worten sollten am 21. August Taten folgen: Krause startete mit dem Ziel mindestens Platz zwei im Vorlauf zu erreichen, um den Hoffnungslauf zu umgehen. Der Einstieg ins Rennen gelang nicht so wie erwartet, sodass der deutsche Doppelvierer zunächst hinter dem Feld hinter her fuhr. Doch die Strecke von 2000 Metern ist lang genug, um im Laufe des Rennens noch Fehler begleichen zu können, was der deutsche Vierer souverän umsetzte. Die deutsche Crew überholte das Boot aus Frankreich und China. Das Schweizer Boot kam eine Sekunde eher ins Ziel. „Wir wollten den Hoffnungslauf vermeiden und sind mit dem direkten Erreichen des A-Finales sehr zufrieden“, so Krause nach ihrem Rennen. Somit wurde die erste Hürde gemeistert. Vier Tage hatte die Mannschaft dann Zeit, um das Rennen zu analysieren und Fehler zu beheben. Lockere Trainingsrunden dienten der Regeneration bevor es am 25. August zum Showdown kam. Ergänzend zu den drei Mannschaften, die Krause schon aus ihrem Vorlauf kannte, traten noch Italien und Großbritannien im großen Finale an. Die deutsche Mannschaft erlebte ein Déjà-vu. Lange Zeit war eine Medaille nicht in Sicht. Doch auf den letzten 500 Metern bewies die deutsche Mannschaft wahren Kampfgeist. Großbritannien fiel komplett zurück von Position 3 auf 6, Frankreich konnte weiterhin gezähmt werden und durch einen brillanten Endspurt wurde China überholt. Krause empfing ihre Bronzemedaille auf dem Siegersteg in Anbetracht von Familie und Freunden.

Der jubelnde Juniorenvierer mit Steuermann. Tom Hinrichs steht von links aus gesehen an dritter Position (Quelle: Rudern.de)
Der jubelnde Juniorenvierer mit Steuermann. Tom Hinrichs steht von links aus gesehen an dritter Position (Quelle: Rudern.de)

Erst am 24. August begann der Wettkampf für Hinrichs. Er musste sich der Konkurrenz aus der Türkei, der Ukraine und Australien stellen. Dabei war vor allem der türkische Vierer schon bekannt: Nur ein paar Wochen zuvor konnte er den deutschen Vierer auf der Junioreneuropameisterschaft noch schlagen. Doch zu diesem Zeitpunkt saß Hinrichs noch nicht im deutschen Boot. Die deutsche Mannschaft startete bescheiden in ihrem Vorlauf, doch die Fehler konnten über die Strecke gut ausgeglichen werden. Sie überholten jedes Boot, sogar der türkische Vierer musste die Führungsposition zum Ende an das deutsche Boot abgeben. Die Qualifikation für das A-Finale war gesichert. Rückblickend stellt Hinrichs allerdings fest, dass für den finalen Auftritt noch etwas fehlte: „Alles in allem war es kein gutes Rennen. Wir sind anfangs zu weit hinterher gefahren. Das muss im Finale geändert werden.“ Zum Finaltag am 28. August kam erschwerend starker Wind auf. Als das Startsignal ertönte, zeigte die deutsche Mannschaft, dass sie in der Lage war aus Fehlern zu lernen. Mit einem Blitzstart sausten sie zusammen mit dem italienischen Boot, den zeitschnellsten der Vorläufe, durch die Wellen nach vorn. Das Feld dahinter wirkte ein wenig abgeschlagen. Zum Ende hin rückten alle Boote wieder etwas enger zusammen, aber das Ergebnis war schlussendlich doch deutlich zu erkennen: Italien belegte Platz 1, dahinter das deutsche Boot und der US-amerikanische Vierer verdiente sich die Bronzemedaille. Voller Euphorie versucht Hinrichs in Worte zu fassen, was ihm widerfahren ist: „Es ist so ein unbeschreibliches Gefühl. Die Italiener waren einfach schneller und die Bedingungen waren schwierig, aber nichtsdestotrotz hat es einen riesen Spaß gemacht!“

Ein großer Druck fällt für die beiden jungen Sportler ab. Die ganze Saison haben sie sich gequält und gingen jede Einheit an ihr Limit, insbesondere in den letzten trainingsintensiven Wochen ihrer Trainingslager. Auf der Weltmeisterschaft konnten sie sich erfolgreich selbst belohnen. Das Training wird in nächster Zeit erstmal etwas in den Hintergrund rücken, um sich von der ganzen Belastung zu erholen. Jedoch werden die beiden sich das ein oder andere Rennen bei der heimischen Regatta am ersten Septemberwochenende wohl nicht entgehen lassen.

Von Elias Sehr

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