Auf seine Ferien verzichten, um stattdessen jeden Morgen den Körper an sein Limit zu treiben? Nur wenig Schüler würden sich das wohl freiwillig antun. Einer davon ist der Limburger Ruderer Tom Hinrichs. Der siebzehn Jährige verbringt gerade seine dritte Woche in Berlin. Hier bereitet er sich auf die Juniorenweltmeisterschaft, welche Ende August in Rotterdam stattfinden wird, vor. Er hatte sich durch seinen Sieg auf der Deutschen Meisterschaft im vergangenen Juni qualifiziert.
Pressewart Elias Sehr hat Tom Hinrichs gebeten einen Einblick zu geben, wie sein Trainingsalltag aussieht:
Sehr: „Tom, du hast bereits nach der deutschen Meisterschaft angekündigt, dass du gespannt auf dieses Trainingslager und du dir sicher seiest, dass es anstrengend werde. Wurde deine Prognose bestätigt?“
Hinrichs: „Ja, auf jeden Fall. Wir absolvieren hier viele lange Einheiten zum Verbessern der Ausdauer. Aber auch Krafttrainingseinheiten, alternatives Ausdauertraining und Gymnastikeinheiten stehen neben dem Rudern auf dem täglichen Plan. Es ist schon sehr anstrengend, aber ich fühle mich durch das vorher abgestimmte Training meines Trainers Martin Rieche sehr gut vorbereitet. Kräftezehrend ist vor allem das frühe Aufstehen. Doch damit kann ich leben. Die Teilnahme ist etwas Besonderes und die Bemühungen sind es definitiv wert. Meine Motivation ist grenzenlos!“
Sehr: „Vorbildliche Einstellung! Wann beginnt dein Tag und wie sieht ein typischer Trainingstag aus?“
Hinrichs: „Wir stehen spätestens um 5:40 Uhr auf. Jeden zweiten Tag ist Urin und Blutabgabe zur Kontrolle unseres Belastungszustandes. Nach einem kleinen Snack beginnt die erste Einheit auf dem Wasser. In einer langen Einheit sind wir sogar einmal 26 km gefahren. Nach dem Frühstück und einer kleinen Pause folgt die zweite Einheit. Entweder wird nochmals gerudert oder ein alternatives Training findet statt. Eine dritte Einheit folgt nach dem Mittagessen und einer längeren Ruhezeit. Allerdings wird auf diese an Regenerationstagen verzichtet. Nach dem Abendessen kommt es oft noch zu einer lockeren Gymnastikeinheit.“
Sehr: „Es sind noch etwa 2 Wochen bis die Weltmeisterschaften in Rotterdam beginnen. Die Mannschaften für die jeweiligen Bootsklassen stehen schon fest. In welche Bootsklasse hast du es geschafft?“
Hinrichs: „Am Anfang haben wir getestet in welche Bootsklasse ich besser passe, da ich aufgrund meiner Verletzung die Mannschaftsbildung nicht komplett bestreiten und auch bei der Europameisterschaft nicht teilnehmen konnte. Ich bin mit dem Ansporn angereist in den Achter zu kommen. Die Achtermannschaft hatte sich bei der EM schon stark präsentiert. Die Trainer kamen zu dem Entschluss, dass ich den Vierer mit Steuermann durch meine kraftvolle Schlagbetonung und meiner Physis verstärken könne.“
Sehr: „Das erinnert an die Situation des Vereinskollegen Hollubarsch, der damals ebenfalls gerne im Achter mitgefahren wäre und dann in den Vierer mit Steuermann gesetzt wurde. Er holte 2009 Gold.“
Hinrichs: „Ja, das ist gut vergleichbar. Ich will meine Kraft einbringen und den Vierer so schnell wie möglich machen. Das Ziel ist am Ende sagen zu können, dass wir unser bestmögliches Rennen gefahren sind. Wenn dabei noch eine Medaille rauspringt, ist es umso besser. Aber die Konkurrenz wird stark sein.“
Sehr: „Du hattest in der Zeit während der Mannschaftsbildung und der EM eine extrem starke Reizung der Muskulatur des rechten Unter- und Oberarmes und der Schultermuskulatur und entzündete Sehnen. Wie ist der aktuelle Stand der Verletzung?“
Hinrichs: „Ich bin positiv überrascht. Ich musste vor dem Trainingslager noch Schmerzmittel nehmen. Seit dem Beginn habe ich diese nicht mehr eingenommen. Anfangs habe ich bei Belastungen die Schmerzen noch deutlicher gespürt. Mittlerweile verspüre ich aber keine einschränkenden Schmerzen und bin deshalb optimistisch, dass ich in Rotterdam meine volle Leistung zeigen kann. Dazu tragen vor allem die Gymnastikeinheiten und die Massagen bei. Der deutsche Ruderverband hat ein Team von Ärzten und Physiotherapeuten organisiert.“
Sehr: „Gestatte mir zum Schluss eine persönliche Frage. Was fehlt dir am meisten?“
Hinrichs: „Mein eigenes Bett. Dort kann ich perfekt entspannen. Die Betten hier sind nicht schlecht, aber es ist einfach nicht das Gleiche.
Sehr: „Eine ehrliche Antwort. Vielen Dank für den Eindruck von dem vorbereitenden Trainingslager für die Juniorenweltmeisterschaft.“
