Interview mit Sophia Krause

Same procedure as every year? Nicht ganz. Zum zweiten Mal konnte Sophia Krause sich einen Platz in der Nationalmannschaft U23 sichern. Vor knapp drei Wochen qualifizierte sie sich mit einem hervorragenden Endspurt als Kandidatin für die Weltmeisterschaft U23 in Plovdiv. Dort wird sie im Leichtgewicht-Frauen-Einer an den Start gehen. Nach einem zweiwöchigen Trainingslager in Limburg, reiste sie mit Boot und Trainer nach Ratzeburg um dort die finalen Trainingseinheiten mit dem restlichen Deutschland-Team zu absolvieren. In wenigen Tagen geht es für Sophia los nach Plovdiv auf die U23 Ruderweltmeisterschaft. Bevor es nach Bulgarien geht, konnte Sophia ihrer Vereinskollegin Stefanie Königstein Frage und Antwort stehen.

Königstein: „Sophia, dieses Jahr hast du weniger Vorbereitungszeit für die WM als letztes Jahr. Zwei Wochen davon hast du in Limburg trainiert und bist in das Trainingslager in Ratzeburg gereist. Welches der Gebiete ist dein Favorit um sich auf so wichtige Rennen vorzubereiten?“

Krause: „Stimmt, dieses Jahr waren es gerade einmal vier Wochen. Dadurch ist alles etwas komprimierter. Der Ausdauerblock wurde diesmal auch etwas verkürzt.
Genau, die ersten zwei Wochen habe ich in Limburg trainiert. Hier hatte ich mein gewohntes Trainingsgebiet und konnte mich auf mein neues Boot konzentrieren und mich an das neue Material gewöhnen. In Ratzeburg ging dann der Trainingslageralltag los. Hier kann ich mich voll und ganz auf den Sport konzentrieren. Zudem lerne ich hier mit schwierigen Bedingungen, wie Wind und Wellen umzugehen, mit so etwas muss man natürlich auf der WM auch umgehen können.“

Königstein: „Letztes Jahr hattest du dich ja auch schon für die WM qualifiziert. Gehst du dieses Jahr die Sache gelassener an?“

Krause: „Ja, schon etwas. Letztes Jahr war für mich alles neu. Diesmal kennt man die Abläufe im Trainingslager und auf dem Regattaplatz an der WM-Strecke.
Letztes Jahr hätte ich mir jedoch nicht vorstellen können, im Einer zu starten. Jetzt sehe ich das etwas anders. Ich genieße es, die Freiheit zu haben, mit meinem Trainer zu entscheiden, wie ich mein Training gestalte. Manchmal vermisse ich allerdings auch Trainingspartner im Boot, die einen motivieren, wenn man gerade mal ein Tief hat. Außerdem ist man beim Einer natürlich aufgeregter. Wenn man einen Fehler macht, kann der nicht von der restlichen Mannschaft aufgefangen werden. Das heißt für mich: volle Konzentration.“

Königstein: „Das klingt nach anstrengenden Trainingseinheiten, mental und körperlich. Und dann hast du noch ein neues Boot für die WM bekommen. Kommst du damit gut zurecht?“

Krause: „Zunächst war es eine große Umstellung. Dadurch, dass ich die ganze Saison mit einem anderen Boot gefahren bin, musste ich mich zunächst an das Material gewöhnen. Das Boot ist nämlich komplett neu und aus Karbon, also viel härter. Aber es wurde jeden Tag besser und jetzt freue ich mich auf die Rennen damit.“

Königstein: „Das hört sich sehr gut an. Trainiert wirst du von Martin Rieche. Wie ist es für dich von deinem Heimattrainer trainiert zu werden und wie sieht dein Alltag im Trainingslager aus?“

Krause: „Es ist sehr angenehm, dass Martin Rieche mich trainiert. Wir sind aufeinander eingestellt und wissen wie der andere tickt. Somit ist bei uns die Eingewöhnungsphase weggefallen und wir konnten direkt mit der Wettkampfvorbereitung starten. Am Anfang, also die erste Woche der Unmittelbaren Wettkampfvorbereitung (UWV) habe ich bis zu drei Einheiten mit größerem Umfang am Tag trainiert. Gegen Ende des Trainingslagers werden die Einheiten kürzer und intensiver. Man fährt viele Testrennen, um den Start und Zwischenspurts zu üben. Am vergangenen Donnerstag war dann das Relationsrennen: einmal die WM-Distanz, also 2000 Meter im Rennmodus. Sowohl Martin, als auch ich, waren mit dem Ergebnis zufrieden.“

Königstein: „Das hört sich vielversprechend an. Zu guter Letzt: Du hast es jetzt das zweite Mal hintereinander auf die Weltmeisterschaft geschafft. Was ist dein Erfolgsrezept?“

Krause: „Gutes Training und vor allem auch Freude, an dem was man tut. Das tägliche Training erfordert natürlich auch viel Disziplin und vor allem auch mal mit nicht erfolgreichen Trainingseinheiten umgehen zu können.
Im Vergleich zum Vorjahr denke ich, dass ich mental deutlich stärker bin als letztes Jahr. Für mich sind die Abläufe nicht mehr komplett neu, was einem auch eine gewisse Grundgelassenheit gibt. Physisch bin ich dieses Jahr auch sehr gut drauf. Ich habe keine Ausfälle wegen Krankheit oder Verletzung zu beklagen. Das ist bei einer WM Vorbereitung sehr viel wert.

Königstein: „Das freut mich. Du wirkst sehr strebsam und zielgerichtet. Das sind die wichtigen Voraussetzungen um so große Wettkämpfe wie die Weltmeisterschaft bestreiten zu können. Dein Verein und ich wünschen dir viel Erfolg! Vielen Dank für das Interview.“

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